Römisch-katholische Kirche: Eine neue Theologie jenseits von Antijudaismus
18:00 - 21:00
8001 Zürich
Kurzseminar mit Christian Rutishauser
Mit der Konzilserklärung Nostra aetate hat die römisch-katholische Kirche vor 60 Jahren eine Wende in ihrer Haltung zum Judentum vollzogen. Das von Johannes Paul II. betonte Bekenntnis zum «unwiderrufenen Bund» Gottes mit Israel wurde zum Ausgangspunkt einer neuen Theologie: Das jüdische Volk bleibt an der Seite der Kirche Werkzeug Gottes auf dem Weg zum Reich Gottes. Entsprechend setzt die Kirche gegenüber Jüdinnen und Juden auf Dialog statt Mission – eine Haltung, die selbst Papst Benedikt XVI. unterstrichen hat.
Diese theologische Neuausrichtung wirft Fragen zur Auslegung des Alten Testaments und zur Darstellung «der Juden» im Johannesevangelium auf. Die Karfreitagsfürbitte wurde überarbeitet, liturgische Texte angepasst, antijudaistische Bilder in Kunst und Kirche kritisch diskutiert. Auch die Bedeutung des Heiligen Landes kann nicht ohne die Beziehung zum Judentum und zum Staat Israel erschlossen werden.
Die römisch-katholische Theologie setzt sich zugleich mit ihrer eigenen antijüdischen Tradition auseinander: Wie sind die Schriften von Augustinus oder Thomas von Aquin heute zu verstehen? Welche Rolle spielten Conversos in der Kirche nach ihrer erzwungenen Taufe? Und wie ist das Verhältnis zwischen christlichem Antijudaismus und modernem Antisemitismus zu bewerten – insbesondere mit Blick auf das Verhalten der Kirche zur Zeit der Shoa?
Referent:
Prof. Dr. Christian M. Rutishauser SJ
Buchhinweis:
Christian M. Rutishauser/Barbara Schmitz/Jan Woppowa (Hg.), Jüdisch-christlicher Dialog. Ein Studienhandbuch für Lehre und Praxis, Mohr-Siebeck: Tübingen 2024.
Gastgeber:
Thomas Münch, Predigerkirche Zürich
Programmkonzeption und Moderation: Dr. Tabitha Walther





